Presseartikel über «Basak»

Unterstützung für Immigrationsbetroffene

Die Basak-Stiftung für Bildung und Kultur bemüht sich um Familien, die von Migration betroffen sind. Dutzende von Frauen und Kindern versuchen mit der Unterstützung der Stiftung einen neuen Halt im Leben zu finden.


©Tageszeitung Radikal, Istanbul, 13.5.2004, übersetzt von B. Sahin

 

Ismail SAYMAZ - Instanbul. Die Armut verfolgte sie in Malatya bis zur Heirat und liess sie auch in Istanbul, wohin sie auswanderte, nicht los. Sie traut sich nicht, ihren Namen zu nennen. Ihre Gemälde vermag sie nur am Tag zu malen, da zuhause seit 6 Monaten die Stromversorgung fehlt.

Neriman aus Mardin dagegen wurde Mutter in einem Alter, in dem sie noch selber ein Kind war. Da ihre Träume durch die frühe Heirat aufgeschoben wurden, nannte sie ihren Sohn, der jetzt 2 Jahre alt ist, „Umut“ („Hoffnung“).

«Beklage dich nicht, engagiere dich»

Frauen in schwierigen Lebenslagen, zum Beispiel mit Gewalterfahrungen, werden durch das Projekt „Beklage dich nicht, engagiere dich“ (SES-CIK), unterstützt. Das Projekt wird von der „Basak-Stiftung für Bildung und Kultur“ zur Rehabilitation der von Migration betroffenen Familien und ihrer Kinder durchgeführt.

Sahhanim Kanat verlor ihre Tochter Helin Basak vor 10 Jahren. Zur Erinnerung an die in jungem Alter verstorbene Tochter gründete sie 2003 die „Basak-Stiftung für Bildung und Kultur“. Die Stiftung hat die Förderung von Kindern zum Ziel, welche auf Grund ihrer schlechten ökonomischen Situation nicht die Möglichkeit haben sich zu bilden und ihre künstlerischen Fähigkeiten zu entwickeln. Es werden Kurse in Englisch, Mathematik, Computer, Malen, Keramik, Psychodrama und Volkstanz angeboten. Gleichzeitig werden die Mütter psychologisch betreut.

Ende 2003 bewarb sich die Stiftung bei der Türkei-Kommission der EU und erhielt für ihr Projekt SES-CIK für die Rehabilitation der von Migration betroffenen Familien und Kinder das Recht auf einen Kredit.

Zielgruppe: 500 Familien

Das Projekt läuft vom 1. Januar bis 31. Dezember dieses Jahres und es soll eine Zielgruppe von 500 Familien erreicht werden. Dazu wurde zunächst Feldarbeit geleistet, das heisst in Quartieren mit starker Zuwanderung (Verwaltungsbezirke Kadiköy, Üsküdar, Ümraniye, Tuzla, Beykoz, Maltepe, Kartal, Pendik und Sultanbeyli) wurden mittellose Frauen und Kinder ausfindig gemacht. Unter der Leitung des Sozialpädagogen Nazif Dag wurden 230 Familien befragt und 50 davon in das Stiftungszentrum eingeladen. Während die Frauen bei der Stiftung die Möglichkeit haben, psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, stehen den Kindern verschiedene Bildungsangebote offen.

Auf Grundlage der Spenden

Die Vorsitzende der Stiftung, Sahhanim Kanat, führt diese Arbeit dank der Spenden fort. In der Stiftung wirken neben Frau Kanat der Sozialpädagoge Nazif Dag, die Projekt-Koordinatorin Selma Irmak, die Psychologin Pinar Özen und die Soziologin Yildiz Türk mit.

Ferner leisten zahlreiche Fachleute einen freiwilligen Beitrag, in dem sie ohne Entgelt die erwähnten Kurse unterrichten.

Alleinerziehende Frauen

Eine der ersten Kontakte knüpfte die Stiftung mit der 38 jährigen Yüksel Babayigit. Sie und ihr Mann wanderten vor 13 Jahren aus Mardin nach Istanbul aus. Viermal kehrten sie zurück, aber immer wieder waren sie gezwungen, nach Istanbul zurück zu kommen, weil sie in Mardin keine Arbeit fanden. Da ihr Mann seit drei Monaten im Gefängnis ist, stellt die Versorgung der Kinder eine grosse Schwierigkeit dar und die Familie ist noch mehr auf die Erwerbs-Arbeit der Kinder angewiesen. Die Basak-Stiftung unterstützt Babayigit mit psychologischer Betreuung. Ihr 10-jähriger Sohn Hemdem nimmt am Volkstanz- und Keramik-Kurs teil.

Auch Emine Aksu stammt  aus Mardin. Mit 14 wurde sie mit ihrem Cousin vermählt. Nachdem sie ein Kind geboren hatte, wurde sie von ihrem Mann verlassen. Sie heiratete nicht noch einmal, damit ihre Tochter Cigdem „nicht mit Problemen aufwächst“. Sie und ihre Tochter leben bei Verwandten und verdienen ihren Unterhalt mit Kinder hüten. Aksu überlegt sich, Cigdem, die in die 6. Klasse geht, wegen Geldmangels von der Schule zu nehmen. Auch Aksu erhält psychologische Unterstützung in der Stiftung.

 

Die Basak-Stiftung versucht, den nach Istanbul immigrierten Frauen und Kindern eine neue Perspektive zu eröffnen.