Presseartikel über «Basak»
Zürich und Region
Bildung für Migrantenkinder in Istanbul
Unterstützung aus Zürich für die Stiftung Basak
© Neue Zürcher Zeitung; 14.03.2005; Seite 33; Nummer 61
ckr. Die Stiftung Basak für Kultur und Kunst bietet in einem der ärmsten Bezirke Istanbuls Kurse für Kinder und Jugendliche an, insbesondere für Mädchen, denen traditionell weniger Bildungsmöglichkeiten offen stehen. Der Verein Basak Schweiz mit Sitz in Zürich unterstützt die Stiftung durch persönliches und finanzielles Engagement.
ckr. Im jüngsten Jahresbericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) ist darauf hingewiesen worden, dass zwischen 1990 und 2000 rund 20 Millionen Kinder aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Diese erzwungene Migration führe oft zu schlechten Lebensbedingungen, zu Krankheiten und verunmögliche die Ausbildung der Kinder. Nicht nur in weit entfernten Weltgegenden leiden Kinder unter diesen Bedingungen, auch in der relativ nahen Türkei leben, laut dem Unicef-Bericht, eine Million Menschen als Vertriebene im eigenen Land.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen im Osten der Türkei haben in den vergangenen Jahren viele, meist kurdische Familien gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen. Die meisten dieser Migranten hätten Schwierigkeiten, sich in Grossstädten wie Istanbul zurechtzufinden, sagt Baran Sahin, der Gründer des Vereins Basak Schweiz, der hauptberuflich seit vielen Jahren in Zürich als Montessori-Lehrer arbeitet und das Kinderhaus Quelle in Höngg gegründet hat. Die Kinder aus diesen Familien müssen arbeiten, um einen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten, und haben daher keine Möglichkeit, lesen und schreiben zu lernen. Mit der Hilfe von zehn ehrenamtlichen Lehrern, Psychologen und Soziologen bietet die Stiftung Basak für Kultur und Kunst Kindern aus Migrantenfamilien mit wenig Einkommen die Chance, nicht nur dies zu lernen, sondern auch Musik zu machen, Theater zu spielen und handwerklich zu arbeiten. Insbesondere Mädchen werden unterstützt, da diesen traditionell weniger Ausbildungsmöglichkeiten offen stehen. Siebzig Prozent der Plätze sind in der Stiftung für sie reserviert.
Auch für die Mütter der Kinder gibt es Alphabetisierungs- und Computerkurse. Zudem bietet die Stiftung Basak psychosoziale Begleitung für die ganze Familie an. Der Grundgedanke sei, erzählt Sahin, dass Integration in das neue Umfeld durch Bildung erst ermöglicht werde. Kinder und Jugendliche sollen im eigenen Land die Möglichkeit der Entfaltung und Entwicklung ihrer Fähigkeiten erhalten. Durch diese Perspektiven werde ihnen der Druck genommen, ihr Glück in der Auswanderung nach Westeuropa oder Amerika zu suchen. Das jüngste Projekt der Stiftung «Beklage dich nicht, engagiere dich!», das Kinder und Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben, bei der Trauma-Verarbeitung unterstützt und begleitet, wird von der EU beaufsichtigt und teilweise von ihr finanziert. Sonst lebt die Stiftung vor allem von ehrenamtlichem Engagement und den Spenden, die vom Schweizer Unterstützungsverein gesammelt werden.
Sahin und seine Schwester Sahhanim Kanat hatten Mitte 2003 die Stiftung im Andenken an Kanats Tochter Helin Basak gegründet. Diese war 1994 bei einem Bombenattentat in Istanbul ums Leben gekommen, das im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zwischen der kurdischen Bevölkerung und der türkischen Armee stand. Basak, die damals 18 Jahre alt war, sei eine künstlerisch begabte und interessierte junge Frau gewesen, erzählt Sahin. Daher hätten er und seine Schwester sich entschlossen, die Stiftung nach ihr zu benennen.
Der Name Basak bedeutet «Weizenkorn». Daher sei er auch passend für eine Hilfsorganisation, die Bildung für Kinder anbiete. Wie ein Weizenkorn solle die Stiftung in der Zukunft reiche Ernte bringen. Als Standort wurde bewusst Kayisdagi gewählt, in Kadiköy, einem der ärmsten Stadtbezirke Istanbuls. So können die Kinder und Jugendlichen, an die sich das Angebot richtet, ohne Umwege bei der Stiftung vorbeikommen. Aus seiner Arbeit als Montessori-Pädagoge in Zürich fliesse vor allem der Grundgedanke «Hilf mir, es selbst zu tun» in die Arbeit der Stiftung ein, sagt Sahin. Den Verein Basak Schweiz habe er gegründet, um von Zürich aus die Projekte der Stiftung weiter bekannt zu machen und Spenden dafür zu sammeln.
Weitere Informationen über den Verein Basak sind auf dem Internet unter den Adressen www.vereinbasakschweiz.ch und www.basaksanatvakfi.org zu finden.
